Pflegefrauchens Tagebuch über Tula

15.10.2011

Tula hat die lange Reise gut weggesteckt. Sie ist freundlich zu allen Menschen, hat sich auch gleich ins Rudel eingefügt. Nun schläft sie sich erst mal aus.

 

16.10.2011

Ihr Frühstück hat sie abgelehnt. Mal sehen, ob sie mäklig ist oder einfach noch zu beeindruckt von der ganzen neuen Umgebung. Auch Leckerchen lehnt sie konsequent ab, egal welche.

Sie reagiert auch auf keinerlei Ansprache, sucht keinen Blickkontakt oder ähnliches, wenn wir draußen sind.

Im Haus liegt sie nur zurückgezogen im Gästeklo. Es ist also gut zu erkennen, dass wir Einiges an Arbeit vor uns haben.

17.10.2011

Heute früh hat Tula immerhin etwas gesoffen und einen Löffel Frischkäse gespeist. Sie kommt immer öfter aus dem Klo heraus zu uns und möchte uns am liebsten festhalten.

Die Treppe ist unüberwindbar, Tula weint leise vor sich hin, wenn ich oben bin.

Als ich vorhin nach Hause kam, hat sie sich sichtlich gefreut und wich mir zunächst nicht von der Seite bzw. hielt sich die ganze Zeit an mir fest. Nun hat sie sich schon mal bis ins Wohnzimmer auf das Sofa getraut.

Draußen werde ich nach wie vor ignoriert, obwohl sie die Würstchen inzwischen nimmt. Aber der Höhepunkt des heutigen Tages war, dass Tula mit mir um den Ball gekämpft hat, so richtig schön mit Ehrgeiz und Knurren, so wie es sein muss. Schon mal ein Anfang.

Nun hat sie sich wieder in ihr Klo zurückgezogen.

18.10.2011

Aus dem Klohund ist ein Küchenhund geworden. Bettelnd immerzu, frisst aber nicht. Das soll einer verstehen.

Spazieren gehen kann die Maus ohne Ende. Unterwegs reagiert sie jetzt ab und zu auf mich, aber da ist noch wirklich viel zu tun.

20.10.2011

Heute hat sie zum ersten Mal vernünftig gefressen. Beim Trinken ist sie nach wie vor mäkelig, trinkt nur, wenn sie GANZ frisches Wasser bekommt.

Sie wird langsam agiler, pöbelt auch schon mal rum, kommt von allein bis ins Wohnzimmer. Wenn sie sich unbeobachtet fühlt, schnappt sie sich auch schon mal ein Spielzeug und albert herum.

Draußen bin ich immer noch überflüssig für sie, daran beginnen wir nun zu arbeiten. Da ihr Futter noch egaler ist als ich, versuchen wir es mal über den Spieltrieb.

21.10.2011

Tula taut jetzt auf, sie zieht sich nicht mehr ständig zurück. So langsam fängt sie an, auch draußen auf mich zu reagieren. Es ist zwar noch ein wildes Gehopse, aber dies zeugt ja von wünschenswertem Temperament.

Ans Fressen scheint sie nun auch langsam zu kommen. Mal sehen, was sie heute Abend zu den Nierchen sagt.

Nun sind auch erste Anzeichen erkennbar, dass es sich bei Tula um einen Arbeitshund handeln könnte, was bei der vermuteten Rasse ja nicht ganz abwegig wäre. Sie fängt Fliegen, beschäftigt sich zum Teil selber, fordert aber viel häufiger Aufmerksamkeit ein.

Auch wenn die Kondition noch nicht länger als 5 Minuten reicht, immerhin möchte sie was tun. Vielleicht nehme ich sie heute Abend mit zur Vorkontrolle, da hat sie etwas Input.

27.10.2011

In Riesensprüngen geht es vorwärts, so schnell, dass ich in den letzten Tagen gar nicht dazu kam, die Entwicklung festzuhalten.

Tula kann inzwischen Sitz auf Kommando und hört recht gut auf ihren Namen. Körpersprachliche Hilfe zum Beispiel für das Fuß – Gehen nimmt sie gut an. Wir haben mit dem Sprungtraining begonnen, 35 – 40 cm bewältigt sie gut, dabei wird es auch erst mal eine ganze Weile bleiben, um ihren Rücken nicht zu überlasten. Erst mal müssen Muskeln aufgebaut werden, um die Wirbelsäule zu stützen, die leider nicht ganz in Ordnung ist. Das erfolgt zunächst durch viel Freilauf auf unebenem Untergrund. Zum Glück funktioniert das gut, solange keine anderen Menschen in der Nähe sind, kann Tula gut ohne Leine laufen.

Im Gegensatz zu den anderen Hunden, bei denen die Erde bebt, wenn sie angerannt kommen, schwebt Tula durch die Welt, ist aber sehr lauffreudig.

Das Arbeiten mit Tula macht viel Spaß, sie ist mit Begeisterung dabei, teilweise mit zu viel Begeisterung, so dass sie in die Arme beißt, wenn es nicht schnell genug weiter geht. Den Ball wieder her zu geben, ohne in die Hand zu beißen, versteht sie inzwischen schon ganz gut.

Sie muss nun lernen, sich über längere Zeit zu konzentrieren und sich nicht mehr so leicht ablenken zu lassen. Erstes (natürlich unerwünschtes) Hüteverhalten hat sie auch schon gezeigt. Hier muss sie möglichst schnell ein Alternativverhalten erlernen.

Nach 1 ½ Stunden Spaziergang ist sie inzwischen nicht mehr müde, sondern fragt, was wir nun noch Nettes anstellen.

30.10.2011

In den letzten zwei Tagen ist Tula häufig an die Grenzen ihrer Konzentrationsfähigkeit gestoßen. Körperlich zeigt sie schon große Ausdauer, aber der Kopf hält noch nicht mit. Das heißt, dass sie beim ersten Teil des Spaziergangs gut ableinbar ist und schön aufpasst, lässt sich heranrufen, wenn Menschen oder Radler kommen, sitzt brav, was sie sich gut von den anderen abschaut. Im zweiten Teil des Spaziergangs schaltet sie dann ab, da muss sie auch an die Leine. Sie reißt zwar nicht aus, reagiert aber auch nicht mehr auf Zuruf.

Wenn wir richtig trainieren, sind wir schon froh, wenn sie fünf Minuten einigermaßen zur Mitarbeit in der Lage ist. Sie verfällt sehr schnell in permanentes Schnüffeln. Hier ist also noch viel zu tun. Ich glaube, sie will gern, kann aber nicht. Wahrscheinlich musste sie ihren Kopf bisher nie einsetzen.

Was die Verträglichkeit mit den vorhandenen Mädels betrifft, bin ich vorsichtig optimistisch, bei Mädels muss man da etwas abwarten.

12.11.2011

Die Mädels scheinen sich tatsächlich zusammenzuraufen. Jetzt, nach vier Wochen, habe ich auch das Gefühl, dass Tula angekommen ist.

Im Alltag ist sie ein Traum. Zum Arbeiten bietet sie sich nicht so sehr an wie die andern. Man kann eben nicht alles haben. Wenn ich es schaffe, sie von der Sinnhaftigkeit einer Zusammenarbeit mit mir zu überzeugen, könnte ein Team aus uns werden – schauen wir mal.

16.11.2011

Nun arbeiten wir intensiv daran, ein Team zu werden.

Die Entscheidung ist gefallen: Tula bleibt!