Fortsetzung Arturs Tagebuch

15.09.2011

Heute weiß ich gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Als Herrchen mit mir spazieren war, ist er fast geplatzt vor Stolz, weil ich völlig cool an den hinterm Zaun bellenden Hunden vorbei gelaufen bin.

Der Hit war aber der Nachmittagsspaziergang mit Frauchen und natürlich der Mandy. Mandy muss auf dem Waldweg immer an der Leine bleiben, ICH darf gleich ohne Leine laufen. Wenn ein Radfahrer kommt, ruft Frauchen mich zu sich, ich mache fein „Sitz“ und Radfahrer und Frauchen freuen sich – ist wirklich gar nicht schwer.

Auf der großen Wiese darf dann auch die Mandy laufen. Mit ihr zusammen lasse ich dann die Sau raus. Man sieht mich dann eigentlich nur noch im Galopp – na, habt Ihr mir gar nicht zugetraut. Natürlich laufe ich zwischendurch immer wieder zu Frauchen, aber ich trau mich schon fast 100 Meter von ihr weg.

Dann fingen die vielen vielen Damhirsche, die dort hinten wohnen, alle an zu rennen. Das fand ich ja schon sehr interessant, aber immer wenn ich hinlaufen wollte, hat Frauchen mich gerufen. Natürlich gehe ich dann sofort zu Frauchen, gar keine Frage. Ich habe es dann noch ein paar Mal versucht, aber sie hat sich durchgesetzt. Dickschädel hat sie mich genannt, das ist gemein, wo ich doch so toll gehört habe.

Ich durfte auch den Helden spielen. Die Mandy hat nämlich Angst vor den großen Ballons am Himmel, mich stören die gar nicht und schon war auch die Mandy viel entspannter. Frauchen meint, wir beide sind ein Dreamteam. Mandy hat mich heute zum ersten Mal zum Toben aufgefordert. Sie meint, mit mir rennen macht mehr Spaß als mit Rudi, weil ich nicht so grob bin im Spiel. Dann hat sie mir noch gezeigt, wo und wie man auf der Wiese Mäuse finden kann.

Auf dem Rückweg, auf dem ich bin zum Schluss ohne Leine laufen durfte, ist Frauchen mit uns wieder beim Nachbarn kleben geblieben. Ich bin fein in der Nähe geblieben und habe mich von fast allen Männern anfassen lassen. Sogar meine Rute konnte ich ohne Bedenken oben lassen.

19.09.2011

Der Regionalexpress und ich – eine Geschichte mit Happy End. Gestern Abend kam wieder dieser schnelle laute Zug, als wir an den Bahngleisen entlang flanierten. Da hab ich mir ein Herz gefasst und habe ihm neugierig hinterher geschaut und bin nicht zurück gewichen. Was soll ich Euch sagen – der ist gar nicht gefährlich, sondern tut nur so!

Gestern Abend gab es dann auch noch ein kulinarisches Highlight. Ein halbes Hähnchen nur für mich allein. Reichlich eine Sekunde habe ich für diesen Genuss gebraucht. Nein, ich habe es nicht im Ganzen geschluckt, sondern einmal in der Mitte durchgebissen und schon war es in meinem Bauch. Das war lecker – davon kann es gern mehr geben.

Seit gestern habe ich auch einen neuen Zweitwohnsitz, schläft sich prima darin. So als Übergangslösung ist es also akzeptabel. In meinem neuen Zuhause möchte ich natürlich mit im Haus schlafen – was anderes ist nicht drin. Ich bin nämlich immer ganz traurig, wenn ich von Frauchen getrennt bin und weine dann, aber nicht weitersagen!

20.09.2011

Von der lieben Mandy kann man jeden Tag was Neues lernen. Durch das Podengoblut in ihren Adern ist sie ja die geborene Mäusejägerin. Heute hat sie mir gezeigt, wie es geht. Ist eine tolle Beschäftigung, ich muss allerdings noch üben um eine zu erhaschen.

So sieht es aus, wenn Frauchen mich ruft – toll, was? Ich laufe übrigens direkt auf sie zu, obwohl sie diesen schwarzen Kasten vor der Nase hat, hab fast gar keine Angst mehr.

23.09.2011

Frauchen hatte diese Woche allen Grund, stolz auf mich zu sein. Ich fange jetzt an, mich für fremde Menschen, die wir treffen, zu interessieren. Der geisteskranke Jugendliche aus der Nachbarschaft mit seinen Fahrradkapriolen kann mich auch nicht mehr verrückt machen.

Kürzlich war eine ganze Gruppe von Leuten mit Hunden hier am Wald. Die armen Hunde wurden immer, wenn sie sich für ihre Umwelt oder andere Hunde interessierten, am Hals gewürgt. Die armen Kerlchen – sowas würde Frauchen nie mit mir machen. Sie sagt, das nennt sich „Hundeschule“. Na ich weiß ja nicht, was die dort lernen sollen. Einer hat aus lauter Verzweiflung meine Freundin Mandy attackiert. Aber mir war klar, dass das nur ein armer Teufel ist und Mandy kann sich selber wehren – also bin ich ganz cool geblieben. Frauchen meinte, dass wir denen mal zeigen, dass Hunde auch gehorsam und super lieb sein können, wenn man sie nicht stranguliert. Na mit mir gelingt dieser Beweis immer und garantiert – Pfote drauf!

Frauchen sagt, morgen hat Herrchen frei, wenn ich also Glück habe, kann ich zu Hause bei ihm bleiben und muss nicht mit dem Auto fahren. Da wird mir doch immer so schlecht. Aber ich werde mich bestimmt auch daran noch gewöhnen.

25.09.2011

Frauchen ist stolz auf mich. Ich bleibe nämlich völlig gelassen, wenn der freche Fred aufgeregt an mir hochspringt.

Gestern hat Frauchen Freds Leine vergessen, als sie mit uns beiden spazieren gehen wollte. Also habe ich natürlich gerne meine Leine zur Verfügung gestellt, schließlich komme ich gut ohne Leine aus.

Heute musste ich allerdings mal wieder feststellen, dass die Menschen schon ein merkwürdiges Volk sind. Hier im Oberholz wurden die Menschen durchnummeriert – sicher, damit niemand im Wald verloren geht. Das schlechte Orientierungsvermögen der Menschlein ist mir ja schon bekannt. Dann wurden sie in den Wald gejagt, damit sie schneller rennen, hat sogar jemand auf sie geschossen. Da haben sie mal wieder nicht beachtet, dass ich mich dabei zu Tode erschrecke – sowas rücksichtsloses! Es scheint verrückt, aber die nummerierten Leute, auf die geschossen wurde, sind tatsächlich wieder aus dem Wald zurück gekommen. Dann wurden sie aufgerufen und noch einmal anders nummeriert, dabei stellte sich heraus, dass die Leute plötzlich nur noch bis Drei zählen konnten. Frauchen hat gesagt, wir schauen uns das mal von der Nähe an. So viele Menschen auf einmal! Und einen Lärm haben die gemacht! Aber Frauchen wollte unbedingt mit mir dort lang, naja, ich hab ihr den Gefallen getan, sie wird schon wissen, was sie tut, also bin ich artig an lockerer Leine mitgelaufen. Nun bin ich aber geschafft von dem ganzen Stress und lege mich in meine Hütte zum Schlafen. Bis demnächst.

28.09.2011

Frauchen sagt, ich soll mir geeignetere Apportiergegenstände suchen. Das verstehe ich nicht, tu ich ihr denn keinen Gefallen, wenn ich alle Igel aus unserem Garten vor der Terrasse abliefere? Komischerweise bringen Frauchen oder Herrchen die dann jedes Mal weg. Aber keine Angst, es gibt noch genug. Zur Not in Nachbars Garten. Dazu musste ich zwar ein paar Zaunlatten abbauen, aber auch das ist kein Problem, ich habe den Igel bekommen und ihn brav zu Frauchen gebracht. Auch beim Abendspaziergang habe ich schnell im Vorbeigehen so einen kleinen Genossen eingesammelt. Frauchen war ganz überrascht, wo ich den denn so plötzlich her habe. Ich habe mich jedoch überreden lassen, ihn im Wald zu lassen. Wenn es nach mir ginge, hätte ich schon eine beachtliche Igelsammlung. Keine Angst, ich mache die kleinen Kerle nicht kaputt, ich sammle die eben nur. Ob die wohl als Haustiere geeignet sind…

29.09.2011

Na so ein Elend – die ganze Nacht hat sich nicht ein Igel in meinem Garten blicken lassen! Woran das wohl wieder liegt. Da ich aber Frauchen irgendwie nach draußen locken muss, hab ich mich auf die Mäusejagd verlegt. Wenn die nur nicht so klein wären. Die Biester passen ja überall drunter. Die Liegefläche kann ich ja durch die Gegend schieben aber dann ist die Maus unter meinen Zweitwohnsitz gekrochen, da komme ich einfach nicht ran. Keine Ruhe findet man hier!

So ein gemütliches Heim habe ich.
So ein gemütliches Heim habe ich.

11.10.2011

Vergangenen Donnerstag ist auf einen Schlag der Herbst eingetroffen. Es war am Abend halb sieben. Diese Tatsache an sich stört mich nicht weiter, ich bin ja wetterfest und habe ein tolles Haus, aber Frauchen und Herrchen sitzen jetzt nicht mehr so oft bei mir im Garten herum, das finde ich blöd. Frauchen sucht zwar jeden Tag etwas, was sie mit mir zusammen im Garten machen kann – Nadeln von der Terrasse fegen, Gartenmöbel aufräumen und sowas, aber das ist nicht so schön wie in den letzten Wochen.

Heute hat Frauchen sich den Schädel an meiner Zwingertür gestoßen und ganz fürchterlich geflucht. Da kann ich nur sagen: Selbst schuld!

Über meine Umgestaltung des Rasens ist sie wohl auch nicht glücklich, ich habe nämlich meine eigenen Wege angelegt. Habe ja genug Zeit dafür. Liebes Frauchen, liebes Herrchen, im Frühjahr wächst das alles wieder.

14.10.2011

Was meint Ihr, was ich hier tue? Na, da kommt Ihr nie drauf. Wenn man den ganzen Tag im Garten rumhängt, muss man sich schließlich die eine oder andere Beschäftigung einfallen lassen, sonst wird es langweilig. Die Igel meiden merkwürdigerweise unseren Garten neuerdings und die Mäuse sind mir langweilig geworden. Also hüte ich Feli und Pinsel, das sind die Haus – und Hof – Eichhörnchen hier. Solange ich aufpasse, kommen die mir nicht vom Baum runter. Der Versuch, mit den beiden auf dem Baum rum zu klettern, ging leider schief, wie Ihr seht. Aber ein sportliches Kerlchen bin ich, nicht wahr?!

16.10.2011

Frauchen meint es ja so gut mit mir. Damit es mir auf den Spaziergängen nicht langweilig wird, hat sie mir jetzt noch ein zweites rothaariges Mädel mitgebracht, das ist doch nett! Tula heißt die Süße und kommt direkt aus Spanien. Na und was so ein charmanter Italiener ist wie ich, hab ich sie gleich umgarnt.

Artur hat jetzt zwei rothaarige Mädels.
Artur hat jetzt zwei rothaarige Mädels.

19.10.2011

Wehe, wenn sie losgelassen… Kaum sind Ferien, schon wird mein Wald von lauter kleinen Menschen bevölkert. Die treten immer gleich in großen Rudeln auf und wollen ihre geringe Größe durch Lautstärke ausgleichen. Das nervt, kann ich Euch sagen. Außerdem sollte sich mal jemand die Mühe machen, den kleinen Menschen etwas Höflichkeit beizubringen. Es gehört sich nämlich nicht, den Entgegenkommenden zu fixieren, liebe Leute! Mich verunsichert das sehr, wenn mein Gegenüber mir signalisiert, dass er mich gleich angreifen wird und Frauchen sagt, die sind völlig harmlos. Da weiß man als Hund gar nicht, wie man sich verhalten soll.

23.10.2011

Nun muss ich mal wieder berichten, was in den letzten Tagen so los war. Frauchen geht immer häufiger mit mir in die andere Richtung spazieren, da ist kein Wald, sondern es stehen nur Häuser rum – wie langweilig. Aber sie sagt, ich soll auch in der Wohnsiedlung entspannter werden. Als ob ich das nicht schon bin.

Kürzlich habe ich Frauchen sogar geholfen, die Flaschen zum Glaskontainer zu bringen. Das hat zwar ganz schön gescheppert, hat mich aber kaum gestört.

Ich mache Frauchen  hin und wieder kleine Geschenke. Über die Igel freut sie sich ja nicht so, also habe ich es nun mit Mäusen versucht. Ich glaube, davon ist sie mehr angetan. Glaubt ihr wohl nicht? Na aber – klar fange ich Mäuse, sogar lebend, wenn es sein muss.

Heute früh hat sie mir verraten, dass morgen Besuch kommt – nur für mich. Und ich soll mich von meiner besten Seite zeigen. So ein Blödsinn – ich habe NUR gute Seiten. Mich muss man einfach lieb haben!

24.10.2011

Heute kam tatsächlich mein persönlicher Besuch. Wir waren gemeinsam im Wald spazieren, die beiden haben mir Leckerchen gegeben und Streicheleinheiten. Dann sollte ich in ein fremdes Auto einsteigen, ohne Hundebox, so dass ich mich während der Fahrt streicheln lassen kann.

Naja, so richtig habe ich das nicht verstanden, wir sind losgefahren und Frauchen stand noch draußen und ist nicht mitgekommen, das soll einer begreifen. Aber sie hat mir mit auf den Weg gegeben, dass es gut für mich ist und weil ich Frauchen vertraue, will ich es mal glauben.