Honey - eine Geschichte mit Happy End?

Ich habe schon seit mehreren Jahren immer wieder Tierschutz – Pflegehunde. Im Mai 2009 hatte ich gerade keinen. Was für ein Glück für Honey, die aus Rumänien hierher gebracht worden war und nun keine Bleibe hatte. 

Honey kam zu mir mit der Auskunft, dass es nur für ein Wochenende sei und sie dann untergebracht würde. Nachdem sie drei Tage später wieder abgeholt wurde, kam ein Anruf mit der Frage, ob sie nicht länger bleiben könne – offenbar gab es doch keine Unterbringungsmöglichkeit. Honey kam wieder, legte sich sofort auf ihren Platz und zeigte: „Herrlich, wieder zu Hause.“

Die Kleine gehörte dem Tierheim Oelzschau, konnte dort aber nicht angemessen untergebracht werden, da sie behindert ist. Durch einen Wirbelsäulenschaden sind die Hinterbeine teilweise gelähmt und sie ist inkontinent. Stehen ging so einigermaßen, Laufen konnte sie zunächst nur mit den Vorderbeinen. Die Hinterbeine zog sie nach, wodurch die Oberseiten der Füße nur noch aus offenen Wunden bestanden. 

Bis dahin war der Ablauf der übliche, es wurde ein Pflegevertrag mit dem TSV Leipziger Land geschlossen mit den üblichen Vereinbarungen. (Haftpflichtversicherung über den Verein, Übernahme von medizinisch notwendigen Tierarztkosten nach vorheriger Absprache) Wir sagten zu, dass sie bis zur Vermittlung bei uns bleiben kann und dass wir die Futterkosten selbst übernehmen, da eine Fütterung mit Fertigfutter bei ihr nicht möglich ist. Der Verein sicherte uns zu, dass Behandlungskosten übernommen werden, wie es bei Pflegestellen so üblich ist.

 

Honey erhielt sechs Mal Physiotherapie, wodurch sich ihr Gangbild und der Zustand der Wirbelsäule deutlich besserten. Zuhause bekam sie von mir täglich Massagen und Gymnastik nach Anleitung. Mit dem linken Fuß trat sie immer besser auf, so dass die offene Stelle dort abheilen konnte.

 

Doch der rechte Fuß machte uns zunehmend zu schaffen. Die riesige offene Wunde heilte einfach nicht und das, obwohl sie zu der Zeit fast nur im Haus war und bei jedem Schritt nach draußen der Fuß gut geschützt wurde. Neu aufschlagen konnte sie sich den Fuß also nicht. Außerdem wurden ihre Hautprobleme immer schlimmer. Mehrfach fuhren wir nach Rücksprache mit dem Tierheimleiter zur Vertragstierärztin, die auch sah, dass der Zustand immer schlimmer wurde.

Die Grundimmunisierung wurde durchgeführt und Spot on verabreicht. Dies führte aber zu keiner Besserung der Haut und des Fußes. Inzwischen war es Juli geworden und dem Hund ging es immer schlechter statt besser. Weitere Besuche bei der Vertragstierärztin brachten leider nichts.

 

Auf die Äußerung meiner Sorge, dass sich meine Hunde anstecken könnten, wurde mir nur gesagt, dass ich sie ja ins Tierheim in Quarantäne geben könnte – nur wird der Hund davon ja auch nicht gesund.

 

Der kleinen Maus ging es immer schlechter und so entschloss ich mich, sie auf eigene Kosten bei meinem Tierarzt behandeln zu lassen. Hier wurde zunächst eine Diagnose erstellt, die mich schockiert hat: schlimme Demodikose, Hautpilze und eine Infektion in der rechten Hinterpfote – kein Wunder, dass die Wunde nicht heilte.

 

Die Behandlung war recht anstrengend aber innerhalb weniger Wochen war Honey nun endlich gesund. Naja und mit ihrer Behinderung kam sie inzwischen bestens zurecht. Nun hatte ich gedacht, dass ich vielleicht ein kleines Dankeschön vom Verein höre, hatte ich doch ca. 400,- € Tierarztkosten selbst getragen. Falsch gedacht – ich erhielt heftige Kritik vom TSV, man überlege, ob man mit mir als Pflegestelle überhaupt noch zusammenarbeiten könne. Sowas baut auf. Es erschließt sich mir nicht, weshalb der Verein offenbar nicht daran interessiert war, dass Honey endlich gesund wird – ein kranker Hund ist ja nun gleich gar nicht vermittelbar.

 

Auf meinen Vorschlag, für Honey eine Spendenaktion durchzuführen, wenn das Geld für die nötigen Behandlungen fehlt, wurde leider nicht eingegangen. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei all den Hundefreunden, die mir privat Spendengelder anvertraut haben, damit ich die Tierarztkosten nicht allein tragen musste. Ohne die vielen lieben Spender hätte ich es vielleicht nicht geschafft durchzuhalten.

 

Sechs Mal Osteopathie im Juni und Juli hatten ja sehr große Erfolge gebracht. Es bestanden reelle Chancen, dass auch die Inkontinenz dadurch verbessert wird. Da ein inkontinenter Hund sehr schwer zu vermitteln ist, fragte ich im August beim TSV an, ob man die Therapie nicht fortführen könnte. Auf eine Antwort musste ich leider bis Januar 2010 warten, so lange tat sich nichts, was Therapie betrifft, schade um die verschenkte Zeit in der ich immer wieder nur vertröstet wurde.

Der erste Vermittlungsversuch im Sommer 2009 ging leider schief. Wir lernten daraus, dass Honey nur in ein Haus mit Garten vermittelt werden kann. Aber es gibt ja immer zwei Seiten der Medaille: Honey hat jetzt eine ganz liebe Patin, die nicht nur Honey finanziell unterstützt, sondern auch mir eine mentale Stütze ist.

 

Auch der Versuch, Unterstützung über das Fernsehen zu bekommen, scheiterte leider.

 

Ich tat für Honey alles, was in meinen Kräften stand: Gymnastik, Laufübungen, Dehnungsübungen, Massagen. Tatsächlich verbesserte sich das Gangbild immer weiter: im Haus setzt sie jetzt beide Füße korrekt auf und kann die Knie, die anfangs völlig steif waren, bald normal beugen. Mit Babysöckchen haben wir die bestmögliche Lösung gefunden, die rechte Pfote draußen zu schützen. Langsame Spaziergänge bis 15 Minuten werden möglich.

 

Damit wird ihr Bewegungsdrang noch nicht befriedigt, aber besser als immer nur im Haus sein. Die Inkontinenz ist gut handhabbar, da Honey jetzt fast nur noch beim entspannten Liegen und Schlafen unter sich macht. Verschiedene Varianten der Fütterung haben wir probiert und herausgefunden, wie durch die Fütterung der Kot so fest, geformt und geruchserträglich wird, dass auch das im Haus kein Problem mehr ist. Nun hat also auch die ständige Putzerei ein Ende. Die Decken, auf denen sie liegt, werden zwei Mal täglich gewechselt, das macht eine Waschmaschinenfüllung am Tag – kein Problem.

 

Honey entwickelt sich zu einem völlig pflegeleichten Hund, sogar Camping ist mit ihr möglich, da sie brav in ihrem zugewiesenen Korb schläft. Zu Hause ist sie ruhig und einfach nur lieb.

 

Ich erfuhr, dass es zum Tierheimfest im September 2009 auch einen Programmpunkt gibt, in dem sich Tierheiminsassen zur Vermittlung vorstellen dürfen. Das klang gut, da Honey ja einen Charme hat, der bisher jeden überzeugt hat, der sie kennenlernte. Meine Hoffnung war leider umsonst, Honey wurde vom Tierheim nicht vorgestellt. Noch eine Vermittlungschance gab es im Herbst, aber dies erwies sich leider nicht als das passende Zuhause. Danke der Vorkontrolle, die einen für Honey folgenschweren Fehler verhindert hat.

Die Weihnachtssendung 2009 von „tierisch tierisch“ sollte aus dem Tierheim Oelzschau kommen. Ein bisschen hoffte ich ja schon, dass ein so schwer vermittelbarer Hund wie Honey dort eine Chance erhält. Aber es wurde ein bereits vermittelter behinderter Hund vorgestellt, Honey wurde nicht erwähnt, leider.

 

Aber es muss ja trotzdem vorwärts gehen. Im Winter beschäftigte ich mich intensiver mit der Idee, für Honey eine Orthese anfertigen zu lassen. So kann ihr Fuß nicht mehr umklappen und sie würde sicher besser und länger laufen können. Mit 15 Minuten spazieren gehen ist dieser lebhafte Hund schon lange nicht mehr auszulasten, außerdem ist jeder Muskelaufbau wieder eine Chance, dass ihre Inkontinenz besser wird.

 

Ich nahm Kontakt zu einem Orthopädietechniker auf, der sich auf Tiere spezialisiert hat und informierte den TSV über diese Möglichkeit. Leider blieb meine Hoffnung auf finanzielle Unterstützung auch diesbezüglich unerfüllt. An dieser Stelle mein zweites riesengroßes Dankeschön an alle Hundefreunde, die meinem zweiten Spendenaufruf für die Orthese gefolgt sind – es kam tatsächlich der komplette Betrag zusammen, so dass wir nur noch Fahrt – und Übernachtungskosten zu tragen hätten.

 

Im Januar 2010 dann endlich die seit 5 Monaten erwartete Antwort auf meine Anfrage nach weiterer Physiotherapie. Diese bekam Honey zwar nicht, aber immerhin zehn Behandlungen bei einer Tierheilpraktikerin. Es wurde Elektrotherapie und Akupunktur durchgeführt, welche weiteren Muskelaufbau zur Folge hatten und Honey noch lebhafter werden ließen.

An dieser Stelle ein Dankeschön an meine liebe Sportfreundin, die parallel dazu die Akupunktur weiterführte. Alles zusammen führte dazu, dass Honey immer agiler und bewegungsfreudiger wurde. Sie kann jetzt so gut laufen, dass sie kurze Spaziergänge mit den anderen Hunden gemeinsam machen kann. Damit hatte ich nie gerechnet.

 

Leider kam im Januar 2010 vom TSV auch die niederschmetternde Nachricht, dass es für Honey kein Geld mehr geben wird und sie zurück nach Rumänien gebracht wird. Der Grund: schwer vermittelbar. Welche Überraschung!

Das war ja wohl abzusehen, als man Honey aus Rumänien mitbrachte. Wie erkläre ich das all den ca. 40 Personen, die

 

- sich mit um Honey gekümmert haben,

- Honey behandelt und therapiert haben,

- für Honey Geld gespendet haben,

 

kurz, die sich für Honey eingesetzt haben und ihre Entwicklung mit verfolgten. All die Mühe wird mit Füßen getreten und Honey einfach abgeschoben? Wie verkraftet dies der Hund, dem man erst zeigt, wie schön das Leben sein kann, um sie dann zurückzuschicken als einen von ca. 3500 Hunden in dem rumänischen Tierheim?

 

Ein großes Dankeschön an die Vereine, die mir in der Situation Hilfe und Unterstützung angeboten haben um Honey's Abschiebung zu verhindern. Die „Tierhilfe Hoffnung“ hat durch die Übernahme von Honey diese Abschiebung verhindert. Danke dafür in Honey’s Namen.

Das ewige Auf und Ab der Geschichte sollte aber noch kein Ende haben. Aber Honey gibt täglich so viel Liebe und Wärme, dass ein Blick in ihre Augen die Kraft gibt weiterzumachen – sie ist einfach ein Herzhund.

 

Für die Februarferien war langfristig schon unser beider Urlaub geplant, um nach Mannheim zum Tierorthopädietechniker Dieter Pfaff zu fahren. Honey bekam endlich ihre Orthese. Danke noch mal an dieser Stelle den Spendern, durch die pünktlich das Geld zusammenkam und Danke an Dieter Pfaff, der den passgenauen Termin kurzfristig ermöglicht hatte. Honey bekam die Orthese am 12.02.2010 und stiefelte sofort damit los als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Ein Traum.

Schon nach kurzer Zeit waren Spaziergänge bis zu 45 Minuten kein Problem mehr. Wenn es nicht zu schnell wird, kann sie mit den anderen Hunden toben. Man konnte regelrecht zuschauen, wie sich die Muskeln der Hinterbeine entwickelten. Das gibt immer wieder Hoffnung, dass auch die Inkontinenz besser wird. Zumindest zeigt Honey jetzt auf jedem Spaziergang Markierverhalten wie ein gesunder Hund. Zwei Mal konnte ich bereits beobachten, dass ihr Hinhocken tatsächlich erfolgreich war. 

  

Im Februar meldete sich auch eine weitere Interessentin für Honey. Im März zog Honey in das neue Zuhause. Leider konnte sie auch hier nicht bleiben und lebt inzwischen wieder bei uns. Aber voraussichtlich hat Honey nun noch eine Patin.

 

Aber wir geben die Hoffnung, ein Zuhause für sie zu finden nicht auf. Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder. Ich danke an dieser Stelle der Tierhilfe Hoffnung, die mir Unterstützung bei den in Zukunft anfallenden Tierarztkosten zugesagt haben.

 

Spätestens jetzt ist wohl jedem klar, was für ein bezaubernder Hund Honey ist. Sie hat es schließlich geschafft, mir bei all den zu bewältigenden Höhen und vor allem Tiefen die Kraft zu geben, die ich brauchte, um alle Probleme zu lösen.

 

Für mich als Pflegestelle ist diese Erfahrung nicht gerade motivierend. Liebe Tierschutzvereine, wenn Ihr mit Pflegestellen arbeitet, behandelt sie besser als hier geschehen. Pflegestellen sind nicht so reichlich, dass man sie schon beim ersten Pflegehund vergrämen kann.

Liebe Pflegestellen und solche, die es werden wollen, lasst Euch durch die Geschichte nicht abschrecken im Tierschutz aktiv zu werden. Den Dank erhaltet Ihr von den Pflegetieren – hundertfach! Achtet darauf, dass von Vornherein die Kostenübernahme geklärt ist, gerade bei kranken oder behinderten Hunden.

 

Was mir nicht aus dem Kopf geht: Von jedem Interessenten für einen Hund aus dem Tierschutz wird eine umfassende Selbstauskunft gefordert und eindringlich darauf hingewiesen, dass man sich Gedanken darüber machen soll, ob man ein Hundeleben lang auch in der Lage ist, für das Tier zu sorgen und die Kosten zu tragen. Und das vollkommen zu Recht! Genau das sollte man aber auch oder erst recht von einem TSV verlangen können, der die Verantwortung für einen Hund aus dem Ausland übernimmt. Sicher gibt es manchmal unvorhersehbare Engpässe. Aber dann kann man zunächst versuchen, eine Lösung zu finden anstatt des Tier wieder abzuschieben.

 

Die letzte Vermittlungschance sollte Honey von dem Verein ja schon nicht mehr bekommen. Ich bin nur eine Einzelperson und habe so viele Spendengelder zusammenbekommen und so viel Unterstützung von Privatpersonen erhalten, das sollte für einen so großen Verein ein Leichtes sein – wenn denn der Wille vorhanden ist.

 

Cornelia Kanthack

 

 

Nachtrag:

Sollte sich jemand finden, der seine Berufung darin sieht, die kleine behinderte Hündin zu umsorgen, kann der oder diejenige sich natürlich gern bei mir melden.

Auf Grund meiner Erfahrungen kann ich ja die Anforderungen an das neue Zuhause kurz umreißen:

  • Haus mit angrenzendem Garten
  • ebenerdig
  • kein Teppichboden
  • mindestens ein Artgenosse
  • Rohfütterung
  • Vor- und Nachkontrolle, gern halte ich weiter Kontakt und unterstütze die künftigen Halter bzw. Pflegestelle

Die Gründe für diese Anforderungen erläutere ich auf Anfrage gern näher, sie sind aber auch dem obigen Text zu entnehmen.

Nachtrag 2012:

Honey ist inzwischen erwachsen und eine ruhige, anspruchslose Hündin geworden. Auf Spaziergänge legt sie keinen großen Wert mehr - sie tobt lieber im Garten und liegt dort in der Sonne.

Mal abgesehen vom häufigen Wäschewaschen ist sie völlig pflegeleicht.

Bleiben kann sie dennoch nicht, da die Bedürfnisse der Hunde einfach zu unterschiedlich sind, wodurch Honey viel zu viel allein ist.

Wir sind also nach wie vor auf der Suche nach einem Zuhause für sie, wahlweise auch eine Dauerpflegestelle oder ein guter Tiergnadenhofplatz mit menschlicher und tierischer Anbindung.